Gedanken zur Wochenmitte 30: 01.07.2026

Tierheime für Straßenhunde

Von Malini Shankar

Digitaler Diskurs


Im Jahr 2025 gab es in Indien schätzungsweise 15,3 Millionen Straßenhunde – eine Folge der Rücksichtslosigkeit jener Menschen, die einst den Wolf zum zahmen Hund domestizierten und ihre Schützlinge später im Stich ließen. Der Mensch ist dafür verantwortlich, über 60 Hunderassen „geschaffen“ zu haben. Hunde gehören seit Jahrtausenden zu den Haustieren in der menschlichen Lebenswelt. Doch auf dem indischen Subkontinent gibt es mehr Straßenhunde als Hunde in privater Haltung; dies ist die direkte Folge davon, dass Menschen keine Verantwortung für den einst domestizierten Wolf (den heutigen Haushund) übernommen haben. In Europa, Australien oder der „Neuen Welt“ findet man keine ausgesetzten, herrenlosen Straßenhunde. Dieses Phänomen ist spezifisch für den indischen Subkontinent, kolonisierte Teile Afrikas und einige Regionen Lateinamerikas.

Dabei kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Hunde in Kolumbien (Südamerika) ähnlich verehrt und vergöttert werden wie die „Heilige Kuh“ in Indien. Haustiere werden dort in maßgeschneiderte, elegante Kleidung gehüllt – mit schicken Stiefeln, Ohrringen, Zöpfchen und leichtem Schmuck –, liebevoll umsorgt, gefeiert und genießen auf Flugreisen sogar Business-Class-Komfort. Die herausgeputzten Hunde am internationalen Flughafen von Bogotá sind an den Stress gewöhnt, der mit Flug- und Flughafenwechseln sowie der Abfertigung durch das Bodenpersonal einhergeht.


Die Problematik der Straßenhunde in Indien ist im Wesentlichen auf folgende Gründe zurückzuführen:

1. Menschen haben ihre Haushunde auf der Straße ausgesetzt.

2. Es mangelt an Maßnahmen zur Kontrolle der Straßenhundepopulation bzw. zur Geburtenkontrolle bei Tieren.

3. Es fehlt ein funktionierendes Abfallmanagement; organische Fleischabfälle werden unsachgemäß entsorgt, und eine verantwortungslose Bevölkerung trennt den Biomüll nicht vom übrigen Abfall. Schätzungen zufolge werden in Indien jährlich rund 6,2 Millionen Tonnen Fleischabfälle ohne vorherige Trennung oder Behandlung unsachgemäß entsorgt. Diese Abfälle dienen dann ausgesetzten, obdachlosen und hungernden Straßenhunden als Nahrung.

4. Es mangelt sowohl am Verantwortungsbewusstsein der Bürger (unsachgemäße Müllentsorgung) als auch an einer effizienten Reinigung und Müllbeseitigung durch die städtischen Behörden.

5. Aggressives Verhalten von Hunden auf der Straße hat seine Wurzeln oft in der Rücksichtslosigkeit gefühlloser Autofahrer, durch deren Verhalten hungrige, obdachlose Straßenhunde verletzt oder verstümmelt wurden. 6. Die fehlende tierärztliche Versorgung von Straßenhunden führt dazu, dass ein großer Teil von ihnen an Tollwut erkrankt ist.

7. Ausgesetzten Straßenhunden mangelt es an Nahrung, Unterschlupf und tierärztlicher Betreuung. Sie sind fünfmal stärker gefährdet, sich mit Tollwut – einer tödlichen Krankheit – zu infizieren. Erschwerend kommt hinzu, dass ein tollwütiger Hund tödliche Wunden zufügen und die Infektion zu Lebzeiten auf andere Wirtstiere übertragen kann.

Angriffe tollwütiger Straßenhunde auf Menschen, insbesondere auf gefährdete Kinder, stellen ein Problem für die öffentliche Sicherheit dar. Laut einem Artikel auf *Scienceinsights* (unter Berufung auf die WHO) sterben jährlich etwa 20.000 Menschen an den Folgen von Bissen durch tollwütige Hunde. Eine Mitteilung des *Press Information Bureau* bezifferte die Zahl der Bisse durch tollwütige Hunde in Indien für Januar 2025 auf schätzungsweise 429.664.

Obwohl von der WHO bereitgestellte Tollwutimpfstoffe in jedem Gesundheitszentrum der Grundversorgung (Primary Health Centre) obligatorisch verfügbar sein müssen, kommt es häufig zu Lieferengpässen. Tollwutimpfstoffe und Gegengifte gehören zu den am häufigsten verabreichten Medikamenten in diesen indischen Gesundheitszentren.

Diese Problematik veranlasste den Obersten Gerichtshof Indiens im Jahr 2025 zu einer einstweiligen Verfügung, die das Einfangen aller Straßenhunde zur Unterbringung in Tierheimen oder deren Einschläferung anordnete. Das Thema spaltete die Bevölkerung: Die eine Hälfte befürwortete die humane Sterilisation und Unterbringung der Hunde in Heimen, während die andere Hälfte die sofortige Tötung (denn nichts anderes ist Euthanasie) aller Straßenhunde forderte.

Kommunale Behörden im ganzen Land können bestätigen, dass die jahrzehntelang praktizierte massenhafte Tötung von Straßenhunden wirkungslos war. Die Geburtenkontrolle durch Sterilisation erwies sich als die nachhaltigste Lösung.

Angesichts der Weigerung vieler Inder, Straßenhunde zu adoptieren und als Haustiere zu halten, hat sich die Geburtenkontrolle als die nachhaltigste Maßnahme herausgestellt. Der „National Action Plan for Dog-Mediated Rabies Elimination by 2030“ (Nationaler Aktionsplan zur Beseitigung der durch Hunde übertragenen Tollwut bis 2030) ist ein öffentlich finanziertes Programm in Indien. Da die Bevölkerung keine Verantwortung für diese Hunde übernimmt, müssen staatliche Mittel zur Kontrolle der Population bereitgestellt werden.

Andererseits gibt es Liebhaber von Straßenhunden, die sich für das Lebensrecht dieser ausgesetzten Tiere einsetzen. Viele dieser Aktivisten versorgen die Hunde mit Futter und Wasser, bieten säugenden Hündinnen und ihren Welpen vorübergehend Unterschlupf und leisten medizinische Hilfe. Die Geburtenkontrolle bei Tieren – also die Sterilisation oder Kastration von Straßenhunden – war nicht zu 100 % wirksam, da eine effektive Umsetzung logistisch unmöglich ist. Die Lösung liegt nicht in der Sterilisation. Die Lösung liegt in der verantwortungsvollen Adoption von Straßenhunden.

„Der Umgang mit der Straßenhundepopulation in Indien ist eine komplexe Herausforderung, die an der Schnittstelle von Stadtökologie, öffentlicher Gesundheit und Tierschutz angesiedelt ist. Diese frei lebenden Hunde gedeihen in der einzigartigen städtischen Landschaft des Landes, was zu einer großen Population führt, die koexistiert...“...in enger Nähe zu menschlichen Gemeinschaften. Diese Population belastet die Ressourcen des öffentlichen Gesundheitswesens erheblich und führt häufig zu Konflikten zwischen Mensch und Tier. Die nationale Politik hat sich von Massentötungen hin zu tierschutzgerechten Methoden verlagert; damit nimmt Indien eine Vorreiterrolle bei den weltweiten Bemühungen ein, eine nachhaltige Lösung für die Kontrolle der Hundepopulation und die Ausrottung der Tollwut zu finden.“

Links:

https://scienceinsights.org/indias-street-dogs-population-public-health-and-policy/

https://theconversation.com/indias-60-million-street-dogs-are-turning-from-village-scavengers-to-city-territory-defenders-272751

https://openapen.com/dog-bites-in-india-2025-the-real-numbers-medical-facts-fatalities-and-what-will-actually-prevent-them/

Links:

https://scienceinsights.org/indias-street-dogs-population-public-health-and-policy/

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